Soziale Distanz

In Zeiten, da soziale Distanz Leben retten kann, war ich neugierig, wie die Schweizer Vereinigungen es schafften, Zusammengehörigkeit zu signalisieren. Es wurden vermehrt Rundschreiben verschickt. Der Osterbrief der Schweizerischen Wohltätigkeitsgesellschaft Berlin, der auch ein schweizerdeutsches Volkslied enthielt, stiess auf gute Resonanz.

Der Schweizer Verein München konnte auf sein bereits gut ausgebildetes soziales Netzwerk und die Fürsorgerin Maya Buchauer zurückgreifen. Alle Mitglieder über sechzig wurden kontaktiert. Gelegentlich sei Einkaufshilfe geleistet worden, erzählte die frisch gebackene Präsidentin Monika Kelling. Die 30 bis 40 Teilnehmer des monatlichen Kaffeenachmittags hatten schon vor der Corona-Krise Patenschaften gebildet, die nun intensiviert werden konnten. Auch an Künstler und Selbstständige wurde gedacht. Ihnen wurden Engagements und Auftritte für kommende Veranstaltungen zugesichert

Der Schweizer Verein Wiesbaden unter Ägide von Yvonne Diffenhard aber ging ganz neue Wege. Das monatliche Mittwochstreffen fand mithilfe einer Kommunikationsplattform online statt. Dank einer detaillierten Anleitung auf der Webseite des Vereins konnten auch weniger technikbegabte Menschen mitmachen. Zum Videotreffen gesellte sich auch Konsul Hans-Peter Willi aus Frankfurt. Er informierte die Teilnehmenden über die Situation in der Schweiz. Sogar eine Lesung mit dem fast 80-jährigen Schriftsteller François Loeb, dem ehemaligen Berner Unternehmer und Nationalrat war möglich. «Das war meine erste online-Lesung», meinte er verschmitzt.   [nb

Aus der Schweizer Revue 3.2020, Text und Bild: Monika Uwer-Zürcher

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